Nach turbulenten Wochen mit signifikanten Kursverlusten im Februar und März haben sich die weltweiten Aktienmärkte zuletzt wieder deutlich beruhigt. DAX und EuroStoxx 50 konnten im April erheblich an Boden gutmachen und jeweils um mehr als fünf Prozent zulegen. Einige Aspekte lassen jedoch befürchten, dass es für eine Entwarnung noch zu früh ist.

Dies scheinen deutsche Manager ähnlich zu sehen. So hat sich der als Frühindikator vielbeachtete ifo Geschäftsklimaindex, der die Stimmung der heimischen Wirtschaft widerspiegelt, im April zum fünften Mal in Folge verringert. Während die Einschätzung der aktuellen Lage dabei noch immer auf einem sehr hohen Niveau liegt, gaben die Erwartungen auf den niedrigsten Wert seit August 2016 nach. Der Abstand zwischen beiden Kurven ist damit deutlich angestiegen und das ifo Institut konstatiert, dass „die Hochstimmung in den deutschen Chefetagen verfliegt.“

Wohlstands- und Wachstumsverluste

Ein wesentlicher Grund hierfür sind natürlich die von Donald Trump ausgehenden Protektionismusbestrebungen. Zwar wurde die Einführung der angedrohten Strafzölle auf Aluminium (10%) und Stahl (25%) für die Europäische Union ein weiteres Mal bis zum 1. Juni verschoben, zu einer einvernehmlichen Lösung wird es aber wohl auch bis dahin nicht kommen, nachdem schon die USA-Besuche von Macron und Merkel nichts Greifbares gebracht haben. Dabei gilt es bei ernstzunehmenden Volkswirten als unstrittig, dass wie auch immer geartete Handelsbarrieren globale Wohlstands- und Wachstumsverluste zur Folge haben. Auf diesen Zusammenhang ist unser Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Webersinke, Dekan der Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule Aschaffenburg, bereits in unserem Frühjahrsbericht (Seite 10) ausführlich eingegangen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings die differierende Entwicklung der europäischen und amerikanischen Börsen. Während sich erstere im Berichtszeitraum deutlich erholen konnten, hat sich der S&P 500 mit einem Anstieg von lediglich 0,27% praktisch nicht von der Stelle bewegt. Dies könnte darauf hindeuten, dass viele Marktteilnehmer in Trumps Wirtschaftspolitik eine größere Gefahr für den amerikanischen als den europäischen Aktienmarkt sehen. Dabei ist natürlich auch die höhere Bewertung jenseits des Atlantiks zu berücksichtigen. Zu massiven Kursabschlägen kam es bei verschiedenen amerikanischen Technologiewerten (z.B. Facebook), wobei hier im Wesentlichen allerdings hausgemachte Probleme (Datenskandal) im Vordergrund standen.

Relative Stabilität dank defensiver Ausrichtung

Aufgrund der schon seit Jahresanfang verhältnismäßig defensiven Aufstellung konnte der WWAM Marathon Balance mit einem Anstieg um +2,04% von der Aktienmarkterholung im April nur unterproportional profitieren. Gleichwohl hat die breite Ausrichtung des vermögensverwaltenden Fonds aber natürlich die Nerven der Anteilseigner in den vergangenen Monaten geschont, und seit Jahresanfang steht immer noch ein Plus von 2,17% zu Buche, während sich der DAX nach wie vor in der Verlustzone befindet (-2,37%). Beim Schweizer Franken haben wir im Laufe des vergangenen Monats unsere Terminpositionen mit Gewinnen geschlossen. Die Währung der Eidgenossen hatte bis auf 1,20 Euro abgewertet und damit das Niveau erreicht, auf dem der Franken vor seiner „Freigabe“ durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 notierte.

Beim Wallrich Wolf Prämienstrategie Fonds sind durch die starken Aktienmarktrückgänge im März verschiedene Basiswerte unter den Strike (Stillhalter-Preis) gefallen. Um Risiko rauszunehmen wurden einige dieser Positionen geschlossen, indem Puts zurückgekauft wurden. Verkaufsoptionen auf Netflix, Allianz und den EuroStoxx sind dagegen wertlos verfallen, womit wir bei diesen Underlyings die gesamte Optionsprämie vereinnahmen konnten. Da die Volatilitäten am Markt deutlich zurückgekommen sind, fahren wir das Optionsportfolio aktuell mit einem erheblich reduzierten Investitionsgrad von nur noch rund 60%. Bei wieder zunehmenden Schwankungserwartungen (Anstieg der impliziten Volatilität) werden wir ihn entsprechend erhöhen. Im April konnte der Prämienstrategie Fonds +1,29% zulegen, bezogen auf Ende 2017 liegen wir mit -1,09% noch leicht im Minus.

Zinsangst oder Rezessionssorgen?

Vom Rentenmarkt sind derzeit sehr unterschiedliche Einschätzungen zu vernehmen. So wird teils auf die zuletzt etwas abkühlende Konjunktur und eine gefährlich flache US-Zinskurve verwiesen, was Rezessionsängste schürt. Andere Investoren behaupten dagegen, dass mit dem Durchbrechen der markanten 3%-Marke bei 10-jährigen Treasuries die Zinswende nun auch nach Europa überschwappen werde, da der Renditeabstand zu langlaufenden Bundesanleihen viel zu groß sei. Beides passt jedoch nicht zusammen und wir zweifeln nicht nur deshalb an dem einen, wie dem anderen Szenario. Eine schnelle Zinswende ist weder von den Notenbanken noch von der Politik gewünscht. Und wann die nächste Rezession kommt, ist unmöglich zu prognostizieren. Die aktuelle Datenlage gibt hier jedenfalls (noch) keine Hinweise. Entsprechend erscheint die Situation keineswegs so ungünstig, wie von beiden Gruppen aus unterschiedlichen Gründen dargestellt.

Davon abgesehen liegt die Aufgabenstellung des WWAM Marathon Renten (+0,61% im April) aber ohnehin im „High Yield Bond Picking“, durch das die Erwirtschaftung von Zinserträgen und Kursgewinnen ermöglicht wird. Diesbezüglich sehen wir aktuell spürbare Verbesserungen am Primärmarkt mit diversen spannenden Deals und damit eine völlig konträre Situation zum vergangenen Herbst. Gut gefallen haben uns im Berichtszeitraum beispielsweise die Neuemissionen der US-amerikanischen Coty (globale Nr. 3 im Beauty Business) und der niederländischen Refresco, dem weltweit führenden Softdrink- und Fruchtsaftproduzenten. Mit Kupons von 4,75 bzw. 6,5% sind diese auf Euro lautenden Papiere „echte High Yields“. Dabei sei an dieser Stelle auch noch einmal auf den Newsletterartikel zum WWAM Credit Quick Scoring Modell verwiesen, das uns jederzeit einen „Schnelltest“ neu emittierter sowie bereits am Sekundärmarkt gehandelter Hochzinsanleihen ermöglicht.