Die Konsensprognose für den Dax zeigt weiteres Performancepotenzial auf, die Kursziele liegen typischerweise bei rund 14.000 Punkten. Wir schließen uns den allgemeinen Erwartungen der Analysten an, halten aber sogar ein Überschießen im Jahresverlauf für möglich. Allerdings könnte es einen „stürmischen Herbst“ geben, zumal viele Investoren derzeit relativ sorglos agieren. So scheint z.B. der Risikofaktor China unterschätzt zu werden, ebenso wie die Auswirkungen der aktuellen Wechselkursentwicklungen und die politischen Risiken.

Lesen Sie diesen und andere interessante Artikel in unserem aktuellen Quartalsbericht "Kapitalmarktentwicklung Winter 2017/2018"

2017 im Telegrammstil abgehakt

+++ Dax gewinnt 12,51% +++ Kaum Schwankungen, größter zwischenzeitlicher Rücksetzer bei den deutschen Blue Chips von unter 7% +++ Entscheidender Moment: Der Wahlsieg Macrons gegen Le Pen als Auslöser eines guten Aktienjahres +++ Schwacher Dollar erwischt viele Anleger auf dem falschen Fuß, der Greenback verliert 14,15% zum Euro +++ Kryptowährungen als Hauptgewinner – entsteht hier eine neue Asset Klasse?! +++ Mit Bundesanleihen ist kein Ertrag zu erzielen, der REXP beendet das Jahr mit einem Minus von 0,95% +++ Besser entwickeln sich europäischen Hochzinsanleihen mit einem Plus von 6,74% +++

An der Börse wird die Zukunft gehandelt – Aktienausblick

Steigende Firmengewinne sind der Treibstoff für eine (weiterhin) positive Aktienbörse. In 2017 waren seit langer Zeit wieder deutliche Zuwächse bei den Unternehmensergebnissen zu verzeichnen, und zwar auf globaler Ebene. Die Weltwirtschaft zeigt einen
synchronen Aufschwung und expandierte mit rund 3,6% kräftig. Aus heutiger Sicht wird sich dieser erfreuliche Trend auch im Jahr 2018 fortsetzen. So liegen die zu erwartenden Gewinnzuwächse je nach Region zwischen sechs und zehn Prozent.

170108 USAktienmarkt Euro

Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Aktienmarkt typischerweise einen Vorlauf zu den Unternehmensergebnissen von drei bis sechs Monaten hat. Ob die starke Konjunktur und damit die positive Entwicklung bei den Aktiengesellschaften tatsächlich über das Jahr 2018 hinaus anhalten werden, ist jedoch ungewiss. Wenn im Herbst die Gewinnschätzungen für das Folgejahr veröffentlicht werden, könnte sich daraus durchaus eine Enttäuschung für den Aktienmarkt ergeben.

180108 MutzuRisiko

Außerdem wird die Europäische Zentralbank im Spätsommer/Herbst vermutlich ihr Anleihekauf­programm auslaufen lassen, und das Thema „Zins­erhöhung“ rückt dann auch hierzulande verstärkt in den Blickpunkt der Investoren. Kein frisches Geld und die Aussicht auf steigende Zinsen sind tendenziell Gegenwind für die Börse. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit.

Bei einem KGV von rund 13,5 ist die Bewertung der Aktienmärkte in Deutschland und Europa, gemessen an den für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinnen, weder billig noch teuer. Zudem droht – von unvorhergesehenen Ereignissen, wie einer elementaren Verschärfung des Nordkorea­konflikts oder verstärkten Kriegshandlungen im Nahen Osten einmal abgesehen – vermutlich kein Störfeuer, denn auch die Parlamentswahl in Italien in diesem Frühjahr (4. März) wird die aktuell gute Stimmung für Europa und den Euro höchstwahrscheinlich nicht zum Kippen bringen, selbst wenn der Euroskeptiker Beppe Grillo gut abschneiden sollte (vgl. hierzu unseren Artikel „Euro-Zerfall als Portfoliorisiko“ in unserem Newsblog: http://bit.ly/2CN0B1c).

Folglich weist der Aktienmarkt noch immer ein nennenswertes Performancepotenzial auf. Dabei müssen die langfristigen Ertragserwartungen von hier ab allerdings etwas runtergeschraubt werden. Während historisch betrachtet rund 8% annualisierte Rendite mit globalen Aktien möglich waren, erscheint es für die kommenden zehn Jahre nun eher angemessen, von durchschnittlich 5-6% pro Jahr auszugehen. Das hohe Shiller-KGV, welches die Bewertung über einen kompletten Konjunkturzyklus glättet, und die aktuell doch schon recht ambitionierte Bewertung der Leitbörse Wall Street zeigen die flacheren Ertragserwartungen an (siehe Tabelle).

180108 Teure WallStreet

Nicht fehlen darf natürlich der Hinweis, dass die Assetklasse Aktien äußerst schwankungsanfällig ist, was nach einem außergewöhnlich ruhigen Jahr 2017 selbstverständlich auch weiterhin gilt. Insofern sind Dividendentitel bei weitem nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren, da den reduzierten Chancen nach wie vor die Gefahr hoher Kursschwankungen gegenüber steht.

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Unterschätztes China-Risiko

Das Hauptrisiko für den Aktienmarkt – innerhalb der heute bekannten Risikofaktoren – liegt wohl in der kreditfinanzierten chinesischen Wohnimmobilien- und Infrastrukturblase. Die Situation erinnert an das Jahr 2007, den Vorabend des US-amerikanischen Immo­bilien­crashs.

Dazu eine Rückblende: Vor fast exakt zehn Jahren präsentierte einer der damals profiliertesten Chefstrategen auf einer Veranstaltung in Frankfurt seinen Jahresausblick. In seinem insgesamt hervorragenden Vortrag fand das Thema „US-Häusermarkt“ an keiner Stelle Erwähnung. Unsere Frage an den Referenten lautete daraufhin wie folgt: „Sehen Sie denn gar keine Gefahr, die durch das mögliche Platzen der US-Hausmarkt-Blase für die Börse resultieren könnte?“ – Antwort: „Doch, natürlich! Das ist die größte Gefahr für den Aktienmarkt im kommenden Jahr. Da dies allerdings inzwischen jeder weiß, habe ich die entsprechende Folie gelöscht, weil meine Aufgabe darin besteht, neue Denkanstöße zu vermitteln.“

Ähnlich verhält es sich heute mit China. Jeder weiß eigentlich, dass die staatlich orchestrierte und von den chinesischen Banken finanzierte Blase irgendwann platzen könnte. Dennoch ist es seit der Jahreswende 2015/2016, als China vermutlich auf der Kippe stand (die chinesische Aktienbörse wurde aufgrund zu
heftiger Kursrückschläge kurzerhand vom Staat geschlossen und Aktienverkäufe wurden verboten!), recht ruhig um dieses Risiko geworden. Andere Themen, wie etwa Trump, die diversen geopolitischen Risiken, die Wahlen in Frankreich, usw. sind dagegen verstärkt in den Fokus der Börsianer gerückt – und zwar ohne dass sich die klaren Anzeichen für ein Platzen der China-Blase abgeschwächt hätten. So steht beispielsweise der chinesische HNA-Konzern, der mittels umfangreicher Kreditfinanzierung auf weltweite Shoppingtour gehen konnte, vor dem Kollaps. Auch einige Versicherungen, wie z.B. Anbang, die bei Firmenübernahmen und großen Immobiliendeals zuletzt regelmäßig auf der Bieterseite aufgetaucht sind, haben sich vermutlich verhoben. Dies ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges, aber eine HNA-Pleite könnte durchaus auf andere Konzerne aus der chinesischen Finanzindustrie (Banken, Versicherungen, Holdings) überschwappen und eine Kapitalflucht aus China auslösen.

Ohnehin hat das Vertrauen in das Accounting der chinesischen Firmen aufgrund diverser Bilanzskandale in den letzten Jahren gelitten. Böse Zungen behaupten gar, dass die Unternehmen aus dem Land des Lächelns drei Bilanzen erstellen würden. Die erste für sich selbst, um die wahre Situation zu kennen, die zweite für die US-Börsenaufsicht SEC und die dritte für das chinesische Finanzamt.

180108 HNA 

Weitere Risikofaktoren sind natürlich die diversen geopolitischen Krisenherde (Nordkorea, Iran vs. Saudi Arabien, Israel, …), die unter US-Präsident Trump noch unkalkulierbarer geworden sind. Langsam rückt auch wieder der zuletzt recht starke Euro in den Blickpunkt. Er könnte für die hiesige Exportwirtschaft zu einer Belastung werden und eine Reduzierung des derzeit eingepreisten Gewinnwachstums der europäischen Firmen zur Folge haben.

Zusammenfassung und Konsequenzen für das Aktienmanagement

Die Börsenampeln stehen zunächst noch auf grün. Gleichwohl müssen die Renditeerwartungen für die Assetklasse Aktien zurückgeschraubt werden. Zudem drohen in den kommenden Jahren höhere Schwankungen. Trotz der guten Konjunktur fahren wir derzeit leicht unterdurchschnittliche Aktienquoten, da wir in der Prämienstrategie unter Berücksichtigung der aufgezeigten Markterwartungen die bessere Alternative sehen. Bei in etwa gleich guten Ertragsaussichten für die kommenden Jahre weist die Prämienstrategie einen Risikopuffer auf. Daher wird sie auch weitaus geringere Schwankungen produzieren, als dies bei klassischen Aktieninvestments der Fall sein dürfte.